Montag, 23. Januar 2012

Drei Engel für J.

Was für ein Wochenende. Bevor ich euch mehr erzähle, möchte ich euch von einem besonderen Erlebnis berichten.

Das Wochenende haben wir in Oberwiesenthal verbracht. Das liegt im Erzgebirge direkt an der tschechischen Grenze. Schon zu DDR-Zeiten, war ich gern in der damaligen ČSSR zu Besuch. Nach einigem Zögern fuhr mein Schatz dann doch mit mir über die Grenze. Wir besuchten Karlovy Vary. Eine wunderschöne Stadt, nur 34 km von unserem Feriendomizil entfernt.


Die Landschaft wunderschön, bergig und schneebedeckt. Als wir in der Stadt unterwegs waren fing es an zu schneien. Herrlich, sag ich euch.


Wenn ich in Tschechien bin, gehe ich gern dort essen. Ich liebe die deftige, böhmische Küche. Nicht fettarm, aber verdammt lecker.
So auch am Samstag. Das Lokal lag im Kellergeschoss und war urig, das Essen deftig, lecker. Nach knapp einer Stunde waren wir wieder an der Erdoberfläche. Und...? Es schneite so heftig... das kann man sich kaum vorstellen. Als ich das sah, wurde mir ganz anders.
"Bin ich froh, wenn wir heute wieder im Hotel sind." Entfuhr es mir spontan.


Mein Schatz war locker. "Wieso? Das ist doch nur einwenig Schnee."
Unterwegs machte ich ein paar Bilder aus dem Auto heraus.












Als ich das Bild von der Kirche machte war alles noch OK. Kurze Zeit später hörte ich nur noch: "Das gibt es doch nicht. Warum komme ich hier nicht den Berg hoch?" Erst ging es nur noch langsam voran, dann kaum noch.
Ein Griff, ESP eingeschaltet und wir kamen wieder ein Stück vorwärts. Dann tauchte vor uns ein PKW auf, der nicht von der Stelle kam. Überholen nicht möglich, weil Gegenverkehr kam. Also bremsen. Anfahren ging dann kaum noch.
Mein Schatz schimpfte zwar etwas, aber es war soweit alles in Ordnung. Er sah es locker und meinte immer wieder, das schlimmste was passieren kann, dass wir eine Weile hier stehen müssen. Entweder bis sich der Schneefall etwas gelegt hat oder bis die Räumfahrzeuge endlich kommen.


Panisch wurde er allerdings, als uns unkontrolliert, rückwärts ein Auto entgegen rutschte und genau auf sein Auto zu hielt. Er startete nochmal und kam gerade so an diesem Fahrzeug vorbei.


Immer mal wieder fuhr das Auto einwenig weiter. Irgendwann meinte er dann, ich solle mal das Lenkrad übernehmen, er wolle schieben. Schon im Vorfeld hatte ich versucht mit dem Auto klarzukommen, aber ich habe noch nie solche Probleme gehabt mit einem Auto zu fahren, wie mit diesem. Also lehnte ich ab und stieg lieber aus zum Schieben. Da sagte er wie nebenbei, dass hinten schon zwei schieben würden. (Als ich später nachfragte, sagte er mir, dass die schon über 10 Minuten geschoben hätten....)


Also gesellte ich mich dazu und die Begrüßung zeigte, dass hier zwei deutsche Landsleute schoben. Der Dialekt kam mir bekannt vor. Erfurt war des Rätsels Lösung. Zwei Landsleute und dann auch noch aus meiner Heimat wo ich geboren und aufgewachsen bin. Wie klein die Welt ist.


Ein Blick zurück zeigte mir, dass da kein Auto mehr war und ich fragte irritiert, wo den ihr Auto sei. "Das haben wir angeschoben, dann ist es gefahren."
"Wie gefahren?"
"Na ja, weiter gefahren. Es ist jetzt irgend wo und wird auf uns warten."
"Und eure Jacken?"
"Im Auto"
"Euer Handy?"
"Im Auto"
"Habt ihr eine Telefonnummer im Kopf, dann kann ich euch mein Handy geben?"
"Nöööö"


Leute, die Jungs hatten nur dünne Klamotten an, waren total voll geschneit, die Hände nicht mehr nur rot, sondern glatschnass und blau angelaufen vor Kälte.


Und wir schoben weiter. Immer ein Stück, dann wieder Pause zum Verschnaufen. Irgend wann kam uns ein anderer junger Mann entgegengelaufen. Es war der Fahrer der Jungs.
Einer von meinen bisherigen Mitstreitern konnte nicht mehr, da haute ihn sein Fahrer an. "Hey, es ist nicht mehr weit. Nur noch da um die Kurve und ein Stück gerade aus, dann bekommt das Auto wieder Gripp. Das schaffen wir. Los"


Und er hatte Recht. Nach über 1,5 km Berg auf schieben ging es wieder. Schnell wurden die Jungs ins Auto verfrachtet und mit nach oben zu ihrem eigenen Auto mitgenommen.


In der Eile und vorallem bei der Aufregung haben wir total vergessen nach den Namen der Jungs zu fragen. Als wir ihnen wenigstens etwas Geld als Danke schön geben wollten, bedurfte es ganz schön an Überredung, dass sie es annahmen.


Wenn ihr drei junge Männer aus Erfurt kennt, die am Samstag in Richtung Karlovy Vary fahren wollten, um dort Nachtski zu fahren, meldet euch kurz bei mir. Das sind die drei Jungs, die uns derart und ohne zu fragen geholfen haben. Leute, echt Klasse.


Hier nochmal ein paar Bilder als das Auto wieder fuhr. Daran seht ihr auch, was unser Hauptproblem am Samstag war. Wir waren mit einem Mercedes unterwegs und der hat Heckantrieb. Wieder was dazu gelernt. Auf diese Erkenntnis hätte ich verzichten können. Die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die einfach so, ohne groß Fragen oder Forderungen zu stellen, in solchen Situationen helfen - S U P E R...!










Jungs, Danke. Ihr ward super.


Für den Moment
liebe Grüße
Conny

1 Kommentare:

Viola hat gesagt…

Ich bin fast 18 Jahre mit meinen Kindern ins Riesengebirge in den Winterurlaub gefahren. Da haben wir so manches erlebt: Straßenränder die durch den starken Schneefall nicht mehr zu sehen waren, das Anlegen von Schneeketten kurz vorm Ziel - weil wir den Berg sonst nicht hoch gekommen wären)und dann am letzten Tag die Suche nach dem Auto weil es soviel geschneit hatte, dass auf dem Parkplatz nur noch ein Schneehügel am anderen zu sehen war. Aber auch wie bei euch: es gibt eben doch noch nette und hilfsbereite Menschen die dann einfach mit anpacken. Lb Grüße, Viola

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Montag, 23. Januar 2012

Drei Engel für J.

Was für ein Wochenende. Bevor ich euch mehr erzähle, möchte ich euch von einem besonderen Erlebnis berichten.

Das Wochenende haben wir in Oberwiesenthal verbracht. Das liegt im Erzgebirge direkt an der tschechischen Grenze. Schon zu DDR-Zeiten, war ich gern in der damaligen ČSSR zu Besuch. Nach einigem Zögern fuhr mein Schatz dann doch mit mir über die Grenze. Wir besuchten Karlovy Vary. Eine wunderschöne Stadt, nur 34 km von unserem Feriendomizil entfernt.


Die Landschaft wunderschön, bergig und schneebedeckt. Als wir in der Stadt unterwegs waren fing es an zu schneien. Herrlich, sag ich euch.


Wenn ich in Tschechien bin, gehe ich gern dort essen. Ich liebe die deftige, böhmische Küche. Nicht fettarm, aber verdammt lecker.
So auch am Samstag. Das Lokal lag im Kellergeschoss und war urig, das Essen deftig, lecker. Nach knapp einer Stunde waren wir wieder an der Erdoberfläche. Und...? Es schneite so heftig... das kann man sich kaum vorstellen. Als ich das sah, wurde mir ganz anders.
"Bin ich froh, wenn wir heute wieder im Hotel sind." Entfuhr es mir spontan.


Mein Schatz war locker. "Wieso? Das ist doch nur einwenig Schnee."
Unterwegs machte ich ein paar Bilder aus dem Auto heraus.












Als ich das Bild von der Kirche machte war alles noch OK. Kurze Zeit später hörte ich nur noch: "Das gibt es doch nicht. Warum komme ich hier nicht den Berg hoch?" Erst ging es nur noch langsam voran, dann kaum noch.
Ein Griff, ESP eingeschaltet und wir kamen wieder ein Stück vorwärts. Dann tauchte vor uns ein PKW auf, der nicht von der Stelle kam. Überholen nicht möglich, weil Gegenverkehr kam. Also bremsen. Anfahren ging dann kaum noch.
Mein Schatz schimpfte zwar etwas, aber es war soweit alles in Ordnung. Er sah es locker und meinte immer wieder, das schlimmste was passieren kann, dass wir eine Weile hier stehen müssen. Entweder bis sich der Schneefall etwas gelegt hat oder bis die Räumfahrzeuge endlich kommen.


Panisch wurde er allerdings, als uns unkontrolliert, rückwärts ein Auto entgegen rutschte und genau auf sein Auto zu hielt. Er startete nochmal und kam gerade so an diesem Fahrzeug vorbei.


Immer mal wieder fuhr das Auto einwenig weiter. Irgendwann meinte er dann, ich solle mal das Lenkrad übernehmen, er wolle schieben. Schon im Vorfeld hatte ich versucht mit dem Auto klarzukommen, aber ich habe noch nie solche Probleme gehabt mit einem Auto zu fahren, wie mit diesem. Also lehnte ich ab und stieg lieber aus zum Schieben. Da sagte er wie nebenbei, dass hinten schon zwei schieben würden. (Als ich später nachfragte, sagte er mir, dass die schon über 10 Minuten geschoben hätten....)


Also gesellte ich mich dazu und die Begrüßung zeigte, dass hier zwei deutsche Landsleute schoben. Der Dialekt kam mir bekannt vor. Erfurt war des Rätsels Lösung. Zwei Landsleute und dann auch noch aus meiner Heimat wo ich geboren und aufgewachsen bin. Wie klein die Welt ist.


Ein Blick zurück zeigte mir, dass da kein Auto mehr war und ich fragte irritiert, wo den ihr Auto sei. "Das haben wir angeschoben, dann ist es gefahren."
"Wie gefahren?"
"Na ja, weiter gefahren. Es ist jetzt irgend wo und wird auf uns warten."
"Und eure Jacken?"
"Im Auto"
"Euer Handy?"
"Im Auto"
"Habt ihr eine Telefonnummer im Kopf, dann kann ich euch mein Handy geben?"
"Nöööö"


Leute, die Jungs hatten nur dünne Klamotten an, waren total voll geschneit, die Hände nicht mehr nur rot, sondern glatschnass und blau angelaufen vor Kälte.


Und wir schoben weiter. Immer ein Stück, dann wieder Pause zum Verschnaufen. Irgend wann kam uns ein anderer junger Mann entgegengelaufen. Es war der Fahrer der Jungs.
Einer von meinen bisherigen Mitstreitern konnte nicht mehr, da haute ihn sein Fahrer an. "Hey, es ist nicht mehr weit. Nur noch da um die Kurve und ein Stück gerade aus, dann bekommt das Auto wieder Gripp. Das schaffen wir. Los"


Und er hatte Recht. Nach über 1,5 km Berg auf schieben ging es wieder. Schnell wurden die Jungs ins Auto verfrachtet und mit nach oben zu ihrem eigenen Auto mitgenommen.


In der Eile und vorallem bei der Aufregung haben wir total vergessen nach den Namen der Jungs zu fragen. Als wir ihnen wenigstens etwas Geld als Danke schön geben wollten, bedurfte es ganz schön an Überredung, dass sie es annahmen.


Wenn ihr drei junge Männer aus Erfurt kennt, die am Samstag in Richtung Karlovy Vary fahren wollten, um dort Nachtski zu fahren, meldet euch kurz bei mir. Das sind die drei Jungs, die uns derart und ohne zu fragen geholfen haben. Leute, echt Klasse.


Hier nochmal ein paar Bilder als das Auto wieder fuhr. Daran seht ihr auch, was unser Hauptproblem am Samstag war. Wir waren mit einem Mercedes unterwegs und der hat Heckantrieb. Wieder was dazu gelernt. Auf diese Erkenntnis hätte ich verzichten können. Die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die einfach so, ohne groß Fragen oder Forderungen zu stellen, in solchen Situationen helfen - S U P E R...!










Jungs, Danke. Ihr ward super.


Für den Moment
liebe Grüße
Conny

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Viola hat gesagt…

Ich bin fast 18 Jahre mit meinen Kindern ins Riesengebirge in den Winterurlaub gefahren. Da haben wir so manches erlebt: Straßenränder die durch den starken Schneefall nicht mehr zu sehen waren, das Anlegen von Schneeketten kurz vorm Ziel - weil wir den Berg sonst nicht hoch gekommen wären)und dann am letzten Tag die Suche nach dem Auto weil es soviel geschneit hatte, dass auf dem Parkplatz nur noch ein Schneehügel am anderen zu sehen war. Aber auch wie bei euch: es gibt eben doch noch nette und hilfsbereite Menschen die dann einfach mit anpacken. Lb Grüße, Viola